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Forderungen nach der Wiederherstellung der Vergangenheit oder dem Tausch des Augenblicks mit einer viel besseren Zukunft sind die Gifte, aus denen Depressionen hergestellt werden

Depressionen sind das natürliche Ergebnis permanenter Forderungen nach einem Leben, das so nicht (wieder) sein kann

Warum sind Depressionen ein Ergebnis? Ein als depressiv definierter Mensch beschreibt seinen Zustand je nach Ausprägung seiner Gemütslage als furchtbar, als beängstigend – so gut wie immer als unbefriedigend. Für jede qualitative Beschreibung ist ein Referenzwert erforderlich. „Heute geht es mir schlechter als … zum Zeitpunkt X, als … noch war.“ Verglichen mit einer anderen Zeit als dem jetzigen Moment erscheint der Augenblick weniger oder nichts wert. Im Moment dieser Einschätzung wird der Moment so, als das er beschrieben wird: schrecklich.

Die Depression kann durch die Inthronisierung einer vermeintlich besseren Vergangenheit erzeugt werden

Indem die Vergangenheit zum Maß aller heutigen Dinge erklärt wird, hat der Mensch verloren: bis er diese Haltung überdenkt und zugunsten einer förderlichen Haltung aufgibt. Solange jemand alles Jetzige mit einem idealisierten Damals vergleicht und die Wiederherstellung dieses Damals einfordert, macht er sich starr, unfähig, glücklich zu sein:

  • als dieser Mensch noch lebte
  • als wir noch zusammen waren
  • als ich den Job noch hatte
  • als ich noch nicht im Ruhestand war
  • vor diesem Verlust

Die Erwartung von einem Glücklichsein unter der Bedingung der Wiederherstellung der Vergangenheit blockiert jegliches Glück.

Auch das Phantasma einer überaus großartigen Zukunft kann in die Depression führen

Ähnlich wie bei der Vergangenheitsbedingung verhält es sich mit der Zukunftsforderung. Menschen, die ihren momentanen Zustand abwerten und auf einen um mehrere Größenklassen besseren Zustand hoffen, blockieren sich das Lächeln ihres Gegenübers, das Singen eines Vogels – und vor allem für den Dank für alles, was gerade ist und zur Verfügung steht.

Dankbar kann ich nur für das sein, was ich sehe, habe, erlebe usw.

Wer seinen Blick auf das richtet, was er (vorübergehend oder dauerhaft) nicht (mehr) hat – die Jugend, die alte Arbeitsstätte, die alten Freunde, das Lachen usw. – ist logischerweise nicht dankbar. Nicht dankbar für das, worum andere ihn sehr wahrscheinlich beneiden würden.

Wahrscheinlich bin ich für irgendjemand auf dieser Erde für etwas an mir oder um mich herum beneidenswert. Ich will herausfinden und aufzählen, was es sein kann. Womöglich beneide ich mich dann sogar selbst – und verwandle diesen Selbstneid prompt in Dank!

Mit dieser Haltung wird es für die Depression schwer sein, sich lange zu halten.

Zusammenfassung Ursachen Depression:

  • Zu den Ursachen einer Depression zählt die Situationsblindheit für das Jetzt.
  • Die Vergangenheit wird glorifiziert – eine phantastische Zukunft (ohne eigenes Zutun) imaginiert.
  • Zwischen diesen Zeiten hockt der depressive Mensch und weiß nicht weiter: weil es ein Weiter in einer ausweglos eingerichteten Lage nicht geben kann.
  • Zur Veränderung dieser Lage ist das Eingeständnis hilfreich, dass die Vergangenheit vorüber ist. Aus und vorbei.
  • Ebenfalls günstig wirkt es sich aus, die Zukunft in Viertelstunden einzuteilen und dann in Stunden, sobald ein gesundes Maß für Veränderung gefunden ist.
Ruine© Johannes Faupel
Außer sich sein
Stop© Johannes Faupel
Unterschiedsbildung durch Farbwahrnehmung© Johannes Faupel
Zwei Beobachter im Aussichtsturm
Wolken roter Himmel© Johannes Faupel
Boje Meer Wasser
Mensch als Maschine?
Helfersystem Klinik© Johannes Faupel
Depression ist keine harte Nuss© Johannes Faupel
Entscheidung – auf dem Weg bleiben oder nicht© Johannes Faupel
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Depression loswerden
Sport wirkt wie Antidepressiva
Antidepressiva
Sich selbst wie den letzten Dreck behandeln
Dunkle Wolken Himmel Sonne Horizont© Johannes Faupel
Unterschiede Depression Burnout-Syndrom
Kind lacht
Depression ist Überlast
Johannes Faupel

Johannes Faupel

Autor: Johannes Faupel
Position: Partner im Zentrum für systemische Supervision Frankfurt