Alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt – Maturana und Varela, 1990

Nur ein Beobachter kann etwas beschreiben. Wer nichts sieht, nichts wahrnimmt, wird nichts zu berichten haben. So kommt den Beobachtern in einem gesellschaftlichen System eine entscheidende Rolle zu.

Nehmen wir das Gesundheitssystem und im Gesundheitssystem die Unterscheidung zwischen vermeintlich gesunden, normalen und angeblich kranken, gestörten Individuen. Hier im Zusammenhang mit Depressionen wird den Beschreibungskonzepten eine besondere Bedeutung beigemessen.

Zwei Beobachter im Aussichtsturm

Beobachter im Aussichtsturm. Beide sehen etwas anderes, sagen aber: „Schöne Aussicht“

Wer sagt über einen anderen Menschen, dass er nicht richtig ticke, gestört wäre? Dies kann sich doch nur eine Person vornehmen, die sich die Kompetenz, die Übersicht, das Wissen und auch die Hoheit über Werte zuschreibt, zwischen normal und unnormal zu entscheiden.

Es ist entscheidend, zu verstehen, was auf der Kommunikationsebene läuft, wenn jemand ein Urteil, eine Diagnose oder eine anderweitige Beschreibung äußert.

„Alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt.“

Humberto Maturana, chilenischer Philosoph und Biologe (Neurobiologie)

Welche Beobachterpositionen gibt es?

Grundsätzlich können wir zwischen zwei Standpunkten von Beobachtung ausgehen:

  • Beobachtung von außen, also die Objektbetrachtung
  • Beobachtung von innen über ein Innen: die selbstbezügliche Subjektbetrachtung

Beide Betrachtungsebenen benötigen zur Bildung einer Beschreibung eine Unterschiedsbildung.

Beobachtung von außen: das Umfeld des Menschen als Objekt der Betrachtung anderer Menschen

Die Beobachtung von außen bezieht sich stets auf die Differenz eines Standpunktes zu einem anderen Standpunkt. Hier sind wir von der Partei X – dort sind die von der Partei Y.

Es braucht also stets eine räumliche Differenz, einen Abstand, um aus diesem Abstand eine Perspektive auf ein Subjekt zu bilden.

Beobachtung von innen: die Selbstwahrnehmung des Systems und des Menschen

In unserer Familie, in meinem Innenleben, da erlebe ich das Leben in einer bestimmten Weise. Meistens sind die Werte überliefert. Und so werden sie zumindest in den ersten Lebensjahren kaum überprüft. Wenn ein Mensch keinen Zugang zur Selbstreflexion findet, kann er sein Leben lang in den Werten anderer verharren. Zum Beispiel in der Wertvorstellung, dass nur essen soll, wer auch etwas leistet. Also ein materialistisches Selbstkonzept. Mit den entsprechenden Auswirkungen. Das Individuum fühlt sich ständig in der Bringschuld gegenüber seiner Umwelt. Hier aus kann schnell ein schlechtes Gewissen entstehen, sobald einmal keine Hochleistungsphase besteht.

Was kann an den Menschen beobachtet werden?

Zu den auffälligsten von außen beobachtbaren Phänomenen zählen unter anderem folgende Bereiche:

  • Haltung (Körperhaltung)
  • Verhalten
  • Vermeiden
  • verbale Sprache
  • Körpersprache
  • Mimik
  • Gestik

Warum sind psychiatrische Diagnosen Orientierungshilfen, aber nie Wahrheiten?

Psychiatrische Diagnosen können in Krisensituationen wertvolle Hilfen sein, um einem Helfersystem eine rasche, auch lebensnotwendige Orientierung zu geben. Langfristig gesehen sind Diagnosen wie „Angststörung, Depression, Zwang“ etc. eher hinderlich. Vor allem für jene Personen, auf die sie bezogen werden.

Aus der Sicht eines Beobachters wirkt eine psychiatrische Diagnose statisch. Eine statische Beschreibung steht jeder dynamischen Entwicklung, also der Veränderung entgegen.

Wie verändert sich durch die Beobachtung die Beschreibung und durch die Beschreibung die Wirkung?

Ein einfaches Beispiel: Ein bislang als depressiv definierter Mensch legt sich am Nachmittag noch einmal hin. Und sagt zu sich: „Ich liebe das Liegen.“

Ruine© Johannes Faupel
Außer sich sein
Stop© Johannes Faupel
Unterschiedsbildung durch Farbwahrnehmung© Johannes Faupel
Zwei Beobachter im Aussichtsturm
Wolken roter Himmel© Johannes Faupel
Boje Meer Wasser
Mensch als Maschine?
Helfersystem Klinik© Johannes Faupel
Depression ist keine harte Nuss© Johannes Faupel
Entscheidung – auf dem Weg bleiben oder nicht© Johannes Faupel
Herz Farbe
Depressives Muster
Zirkadiane Störungen
Sonnenaufgang bei Depressionen das Morgentief
Depression loswerden
Sport wirkt wie Antidepressiva
Antidepressiva
Sich selbst wie den letzten Dreck behandeln
Dunkle Wolken Himmel Sonne Horizont© Johannes Faupel
Unterschiede Depression Burnout-Syndrom
Kind lacht
Depression ist Überlast